Gesa Vertes berichtet über nachhaltige Materialwahl und Demontierbarkeit.
Circular Design überträgt Prinzipien der Kreislaufwirtschaft auf Innenarchitektur. Gesa Vertes befasst sich mit diesem Ansatz, der Räume so gestaltet, dass Materialien und Komponenten am Ende ihrer Nutzungsdauer nicht zu Abfall werden, sondern in Kreisläufe zurückgeführt werden können. Statt linearem „Take-Make-Dispose“-Modell folgt Circular Design dem Prinzip „Reduce-Reuse-Recycle“. Dies erfordert Demontierbarkeit, Materialreinheit, Langlebigkeit und Reparierbarkeit. Auch die Wahl recycelbarer oder kompostierbarer Materialien, modulare Systeme und zeitloses Design gehören dazu.
Die Bauindustrie ist einer der ressourcenintensivsten Sektoren weltweit. Gesa Vertes beleuchtet, dass Gebäude und deren Innenausbau enorme Mengen an Materialien verbrauchen und am Lebensende oft als Abfall enden. Traditionelle Innenarchitektur arbeitet linear: Materialien werden gewonnen, verbaut und nach Jahrzehnten entsorgt. Circular Design fordert radikales Umdenken: Materialien sollen in geschlossenen Kreisläufen zirkulieren – entweder als biologische Nährstoffe, die kompostiert werden, oder als technische Nährstoffe, die recycelt werden. Dies erfordert Design for Disassembly – Konstruktionen müssen sich ohne Zerstörung zerlegen lassen. Verklebte oder verschweißte Verbindungen verhindern Materialrückgewinnung, lösbare Verbindungen ermöglichen sie.
Auch Materialreinheit ist wichtig: Mischmaterialien oder Verbundwerkstoffe sind schwer zu recyceln. Stattdessen sollten sortenreine Materialien verwendet werden. Langlebigkeit und Reparierbarkeit verlängern Nutzungsdauer und verzögern Ende-of-Life. Modulare Systeme erlauben Anpassung statt Abriss. Zeitloses Design verhindert vorzeitige ästhetische Obsoleszenz. Miet- oder Leasing-Modelle für Innenausstattung schaffen Anreize für Hersteller, langlebige, reparierbare Produkte zu entwickeln. Circular Design ist nicht nur ökologisch, sondern zunehmend auch ökonomisch sinnvoll – Ressourcenpreise steigen, Regularien werden strenger, Kunden fordern Nachhaltigkeit.
Was Circular Design bedeutet
Circular Design folgt Prinzipien der Kreislaufwirtschaft. Gesa Vertes erklärt, dass statt linearer Wertschöpfungskette – Rohstoffgewinnung, Herstellung, Nutzung, Entsorgung – zirkuläre Kreisläufe angestrebt werden. Materialien bleiben im System, werden wiederverwendet oder recycelt.
Dies erfordert Umdenken in allen Planungsphasen: Materialwahl, Konstruktion, Nutzung und Ende-of-Life müssen von Anfang an mitgedacht werden. Das Ziel ist „Zero Waste“ – kein Material wird zu wertlosem Abfall.
Biologische und technische Kreisläufe
Cradle-to-Cradle-Konzept unterscheidet zwei Kreisläufe. Gesa von Vertes beschreibt biologische Nährstoffe – organische Materialien, die kompostieren und in Biosphäre zurückkehren. Technische Nährstoffe – nicht-organische Materialien, die endlos recycelt werden können.
Diese Trennung ist essentiell. Mischungen aus beiden oder Schadstoffe in Materialien kontaminieren Kreisläufe und machen Recycling unmöglich. Reinheit ist zentral.
Design for Disassembly
Demontierbarkeit ist Kernprinzip des Circular Design. Gesa Vertes macht deutlich, dass Konstruktionen so gestaltet sein müssen, dass sie am Ende der Nutzung ohne Zerstörung zerlegt werden können.
Dies erfordert bestimmte Konstruktionsprinzipien:
- Lösbare Verbindungen: Schrauben statt Kleben oder Schweißen
- Standardisierte Komponenten: Austauschbarkeit und Wiederverwendung
- Dokumentation: Pläne zeigen, wie Demontage erfolgt
- Materialmarkierung: Labels identifizieren Materialien für korrektes Recycling
- Schichtprinzip: Komponenten mit unterschiedlicher Lebensdauer sind separat austauschbar
- Zugänglichkeit: Verbindungen sind erreichbar ohne große Eingriffe
Diese Prinzipien widersprechen oft konventioneller Praxis, die Dauerhaftigkeit durch irreversible Verbindungen anstrebt.
Reversible Verbindungstechniken
Verschiedene Techniken ermöglichen Demontierbarkeit. Gesa Sikorszky Vertes nennt mechanische Verbindungen wie Schrauben, Bolzen oder Klemmverbindungen. Auch Stecksysteme, Magnetverbindungen oder Klettbefestigungen sind reversibel.
Zu vermeiden sind dauerelastische Klebstoffe, Schäume oder Verbundkonstruktionen, die sich nicht trennen lassen. Die Herausforderung liegt darin, reversible Verbindungen zu schaffen, die dennoch stabil und langlebig sind.
Gesa Vertes über die Materialwahl und -reinheit
Die Wahl der Materialien ist entscheidend. Gesa von Vertes nennt Kriterien für circular-geeignete Materialien: Sie sollten entweder recycelbar, kompostierbar oder aus nachwachsenden Rohstoffen sein. Auch recycelter Content – der Anteil bereits recycelten Materials – ist wichtig.
Materialreinheit erleichtert Recycling. Massivholz ist besser als beschichtete Spanplatten, sortenreine Kunststoffe besser als Verbundwerkstoffe. Auch die Vermeidung von Schadstoffen ist essenziell – sie kontaminieren Recyclingströme und gefährden Gesundheit.
Materialpass und Transparenz
Für effektives Recycling müssen Materialien identifizierbar sein. Gesa Vertes, geb. Haerder erklärt, dass Materialpässe dokumentieren, welche Stoffe wo verbaut wurden. Diese Informationen ermöglichen zukünftige Rückgewinnung.
Digitale Tools wie Building Information Modeling (BIM) können Materialpässe integrieren. Diese Transparenz ist Voraussetzung für funktionierende Kreislaufwirtschaft.
Langlebigkeit und Zeitlosigkeit
Circular Design bedeutet nicht nur Recycling, sondern auch Verlängerung der Nutzungsdauer. Gesa Vertes macht deutlich, dass langlebige, zeitlose Gestaltung vorzeitigen Ersatz verhindert. Trends und Moden sollten vermieden werden.
Auch Qualität ist wichtig. Hochwertige Materialien und Verarbeitung halten länger und rechtfertigen höhere Anfangsinvestitionen. Der billigste Preis ist selten der nachhaltigste über den Lebenszyklus.
Adaptierbarkeit statt Ersatz
Räume sollten sich an wechselnde Bedürfnisse anpassen. In einem kürzlich mit Gesa Vertes geführten Interview wurde deutlich, dass modulare Systeme, flexible Grundrisse und neutrale Grundgestaltungen Umgestaltung statt Abriss ermöglichen. Was sich anpassen lässt, muss nicht ersetzt werden.
Diese Flexibilität erfordert vorausschauende Planung. Zukünftige Nutzungsszenarien sollten bereits im Entwurf berücksichtigt werden.
Modulare Systeme
Modularität ist Schlüsselprinzip. Gesa Sikorszky Vertes erklärt, dass standardisierte Komponenten ausgetauscht, ergänzt oder umkonfiguriert werden können. Trennwandsysteme, Möbelbausätze oder Bodensysteme nach diesem Prinzip erlauben Anpassung ohne kompletten Neuaufbau.
Auch die Kombination verschiedener Module zu individuellen Lösungen ist möglich. Diese Flexibilität verlängert Nutzungsdauer und reduziert Abfall.
Hersteller-Rücknahmesysteme
Manche Hersteller bieten Rücknahmeprogramme. Gesa Vertes beschreibt, dass Produkte nach Nutzung zurückgenommen, aufbereitet und wiederverkauft oder recycelt werden. Dies schafft Anreize für langlebige, recycelbare Produkte.
Auch Leasing-Modelle – statt Kauf nutzen Kunden Produkte zeitlich begrenzt – fördern Kreislaufwirtschaft. Hersteller bleiben Eigentümer und haben Interesse an Langlebigkeit.
Materialien im Vergleich
Verschiedene Materialien haben unterschiedliches Circular-Potenzial.
Vertes bewertet gängige Materialien:
- Massivholz: Nachwachsend, kompostierbar, langlebig – ideal für Circular Design
- Metalle: Endlos recycelbar, energieintensiv in Herstellung, langlebig
- Glas: Recycelbar, inert, langlebig, energieintensiv
- Naturstein: Langlebig, schwer, energieintensiv im Abbau, begrenzt recycelbar
- Keramik: Langlebig, schwer recycelbar, kann gebrochen als Füllmaterial dienen
- Kunststoffe: Variabel – sortenreine thermoplastische gut recycelbar, Duroplaste nicht
- Textilien: Naturfasern kompostierbar, Mischgewebe problematisch
- Verbundwerkstoffe: Meist nicht recycelbar, sollten vermieden werden
Die Wahl sollte Funktion, Ästhetik und Circular-Potential abwägen.
Praktische Umsetzung
Wie setzt man Circular Design praktisch um? Gesa Vertes nennt Schritte: Zunächst Materialien inventarisieren und Circular-Potenzial bewerten. Dann lösbare Verbindungen planen und Demontageabläufe dokumentieren.
Auch die Wahl von Produkten mit Rücknahmeprogrammen oder Recycling-Content ist wichtig. Lokale Materialien reduzieren Transportaufwand. Modulare Systeme erlauben Flexibilität. Zeitlose Ästhetik verhindert vorzeitige Obsoleszenz.
Zertifizierungen und Standards
Verschiedene Zertifizierungen unterstützen Circular Design. Gesa von Vertes nennt Cradle-to-Cradle-Zertifikat, das Materialgesundheit, Kreislauffähigkeit und soziale Verantwortung bewertet. Auch LEED oder DGNB berücksichtigen zunehmend zirkuläre Aspekte.
Diese Standards bieten Orientierung und Glaubwürdigkeit. Sie sind allerdings komplex und erfordern Fachwissen.
Herausforderungen
Circular Design steht vor Herausforderungen. Gesa Vertes nennt höhere Anfangskosten – reversible Verbindungen sind oft teurer als konventionelle. Auch fehlen Infrastrukturen für Rücknahme und Recycling vielerorts.
Auch ästhetische Vorurteile existieren – recycelte Materialien gelten manchmal als minderwertig. Und regulatorische Rahmenbedingungen sind oft unzureichend – es fehlen Anreize oder Verpflichtungen.
Wissensdefizite
Viele Planer und Ausführende kennen Circular-Prinzipien nicht. Gesa Sikorszky Vertes macht deutlich, dass Ausbildung und Weiterbildung essentiell sind. Auch Auftraggeber müssen verstehen, warum Circular Design Mehrkosten rechtfertigt.
Diese Bildungsarbeit ist langfristig notwendig für breite Implementierung.
Prognosen für Circular Design
Circular Design wird an Bedeutung gewinnen. Gesa Vertes sieht regulatorische Treiber – die EU fordert zunehmend Kreislaufwirtschaft. Auch wirtschaftliche Anreize wachsen – Ressourcenpreise steigen, Abfallkosten auch.
Technologische Entwicklungen – digitale Materialpässe, automatisierte Demontage oder verbesserte Recyclingverfahren – erleichtern Umsetzung. Auch kultureller Wandel hin zu Nachhaltigkeit fördert Akzeptanz.
Letztlich ist Circular Design nicht nur ökologisch geboten, sondern zukunftsfähige Strategie für Innenarchitektur. Die Transformation von linearer zu zirkulärer Wirtschaft erfordert radikales Umdenken, bietet aber Chancen für Innovation, Ressourceneffizienz und Resilienz. Die Gestaltung von Räumen, die am Ende ihrer Nutzung nicht zu Abfall werden, sondern als Rohstofflager für zukünftige Projekte dienen, ist visionäres Ziel – dessen Erreichbarkeit Gesa Vertes als technisch möglich und ökonomisch zunehmend attraktiv einschätzt.




