Gesa Vertes berichtet über die oft vernachlässigte horizontale Fläche über unseren Köpfen
Die Decke wird in der Innenarchitektur oft vernachlässigt – dabei bietet sie enormes gestalterisches Potenzial. Gesa Vertes befasst sich mit der fünften Raumfläche, die mehr sein kann als weiß gestrichener Putz. Strukturierte Decken, farbige Gestaltung, integrierte Beleuchtung oder akustische Elemente verwandeln diese übersehene Fläche in aktives Gestaltungselement. Historisch waren Decken oft die am reichsten dekorierten Flächen – Kassettendecken, Stuckarbeiten oder Fresken demonstrierten handwerkliches Können und künstlerischen Anspruch.
Decken verdienen mehr Aufmerksamkeit, als sie üblicherweise erhalten. Gesa Vertes beleuchtet, dass in Standardwohnungen Decken meist weiß gestrichen und ansonsten ignoriert werden. Dabei beeinflussen sie Raumwahrnehmung erheblich: Eine dunkel gestrichene Decke lässt Räume niedriger und intimer wirken, eine helle öffnet und hebt. Strukturierte oder gemusterte Decken schaffen visuelle Komplexität und können Raumcharakter fundamental verändern. Auch funktional bieten Decken Möglichkeiten: Akustikdecken verbessern Raumklang, abgehängte Decken verbergen Installationen und ermöglichen indirekte Beleuchtung, Kühldecken regulieren Temperatur.
Historisch waren prächtige Decken Statussymbole – die Sixtinische Kapelle zeigt, welche künstlerische Bedeutung Decken haben können. Renaissance und Barock schufen kassetierte, stuckierte oder bemalte Decken von außergewöhnlicher Raffinesse. Moderne Gestaltung ist oft minimalistischer, entdeckt aber zunehmend die Decke als Gestaltungsfläche wieder. Holzverkleidungen, farbige Lackierungen, textile Bespannungen oder skulpturale Elemente bringen Abwechslung in die typisch weiße Deckenlandschaft. Die Herausforderung liegt darin, Decken zu gestalten ohne Räume zu überladen oder Höhe optisch zu reduzieren.
Warum Decken vernachlässigt werden
Die Decke ist die am wenigsten beachtete Raumfläche. Gesa Vertes erklärt mehrere Gründe: Praktisch ist sie schwer erreichbar – Arbeiten an der Decke sind aufwendiger als an Wänden. Auch unsere Blickrichtung ist primär horizontal, nicht nach oben.
Zudem prägt Modernismus mit seiner Präferenz für neutrale, weiße Flächen die Norm. Ornamentierte Decken gelten als altmodisch oder kitschig. Diese Vorurteile führen dazu, dass Potenzial ungenutzt bleibt.
Psychologische Aspekte
Menschen schauen selten direkt nach oben. Gesa Vertes macht deutlich, dass Decken dennoch peripher wahrgenommen werden und Raumatmosphäre beeinflussen. Eine bewusst gestaltete Decke wird zwar nicht ständig angestarrt, prägt aber subtil das Raumgefühl.
Auch assoziativ ist die Decke bedeutsam – sie symbolisiert Schutz, Bergung und Abschluss nach oben. Eine schlecht gestaltete oder schadhafte Decke kann Unbehagen auslösen, eine schöne Sicherheit und Wohlbefinden vermitteln.
Gesa Vertes über die historische Deckengestaltung
Historisch waren Decken oft kunstvolle Meisterwerke. Gesa von Vertes verweist auf römische Kassettendecken mit geometrischen Vertiefungen, die Gewicht reduzieren und visuell strukturieren. Renaissance-Paläste zeigten bemalte Holzbalkendecken oder reich stuckierte Gewölbe.
Der Barock erreichte Höhepunkte illusionistischer Deckenmalerei. Trompe-l’œil-Fresken öffneten Decken scheinbar zum Himmel, zeigten schwebende Figuren und göttliche Szenen. Gesa Sikorszky Vertes beschreibt, dass diese theatralischen Effekte Betrachter überwältigen sollten.
Jugendstil und Art Déco
Auch Jugendstil und Art Déco schufen charakteristische Decken. Gesa Vertes nennt ornamentale Stuckarbeiten mit floralen oder geometrischen Mustern. Diese Stile verbanden Kunsthandwerk mit industrieller Produktion und schufen erschwinglichere dekorative Elemente.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden ornamentierte Decken weitgehend. Modernismus favorisierte schlichte, funktionale Oberflächen. Erst postmoderne und zeitgenössische Ansätze rehabilitierten dekorative Deckengestaltung teilweise.
Farbgestaltung von Decken
Farbe verändert Deckenwahrnehmung dramatisch.
Gesa Vertes erklärt verschiedene Wirkungen, die gezielt eingesetzt werden können:
- Weiße Decken: Maximieren Helligkeit und lassen Räume höher wirken – daher der Standard
- Helle Pastelltöne: Creme, Hellgrau oder zartes Blau schaffen Atmosphäre, ohne zu dominieren
- Dunkle Farben: Senken Decken optisch ab, schaffen Intimität in hohen Räumen
- Kontrastfarben: Dunkle Decke mit hellen Wänden setzt dramatische Akzente
- Farbverläufe: Übergänge von Wand zu Decke können Räume strecken oder umhüllen
- Metallic-Effekte: Gold, Silber oder Kupfer reflektieren Licht und schaffen Luxus
Die Wahl sollte Raumhöhe, Nutzung und Gesamtkonzept berücksichtigen.
Gemusterte und strukturierte Decken
Muster oder Strukturen bringen visuelle Komplexität. Gesa Sikorszky Vertes nennt Optionen: Tapeten an Decken erzeugen textile Wirkung, können aber in niedrigen Räumen erdrückend sein. Geometrische Muster schaffen Ordnung und Rhythmus.
Auch physische Struktur – Holzlatten, Kassetten oder Relief – modelliert Decken dreidimensional. Diese Tiefenwirkung bereichert Raumwahrnehmung, erfordert aber ausreichende Höhe, um nicht bedrückend zu wirken.
Abgehängte Decken und ihre Funktionen
Abgehängte Decken haben praktische Vorteile. Gesa Vertes macht deutlich, dass sie Installationen wie Lüftungskanäle, Kabel oder Rohre verbergen. Sie ermöglichen auch Integration von Beleuchtung, Lautsprechern oder Klimasystemen.
Akustisch verbessern spezielle abgehängte Decken mit schallabsorbierenden Materialien Raumklang – wichtig in Büros, Schulen oder Restaurants. Thermisch können Kühldecken oder Heizdecken Raumtemperatur regulieren ohne sichtbare Heizkörper.
Gestaltungsmöglichkeiten
Abgehängte Decken müssen nicht langweilig sein. Gesa Vertes, geb. Haerder nennt kreative Ansätze: Verschiedene Höhenniveaus strukturieren Räume und definieren Zonen. Organische, geschwungene Formen statt rechteckiger Platten schaffen skulpturale Elemente.
Auch transparente oder transluzente Materialien – etwa Streckgewebe mit Hinterbeleuchtung – erzeugen schwebende, immaterielle Wirkungen. Die technische Notwendigkeit wird zur gestalterischen Chance.
Beleuchtung als Deckengestaltung
Licht transformiert Decken. Gesa Vertes erklärt verschiedene Strategien: Direkte Deckenleuchten betonen die Fläche und schaffen gleichmäßige Ausleuchtung. Indirekte Beleuchtung – Licht nach oben gerichtet, das von der Decke reflektiert – erzeugt weiches, diffuses Licht.
Auch integrierte Beleuchtung – etwa LED-Streifen in Deckenstrukturen – schafft atmosphärische Effekte. Lichtlinien, leuchtende Kassetten oder angestrahlte skulpturale Elemente machen die Decke zum lumineszierenden Element.
Dynamisches Licht
Moderne Lichtsysteme erlauben variable Farbtemperaturen und Intensitäten. In einem kürzlich mit Gesa Vertes geführten Interview wurde deutlich, dass intelligente Deckenbeleuchtung Tagesrhythmen simulieren, Stimmungen anpassen oder Akzente setzen kann. Diese Flexibilität macht Räume adaptiv und steigert Nutzungskomfort.
Auch dekorative Effekte – Projektionen, Farbwechsel oder Musterungen – sind möglich. Diese technologischen Möglichkeiten erweitern gestalterisches Repertoire erheblich.
Akustische Deckengestaltung
Decken spielen zentrale Rolle in Raumakustik. Gesa Vertes macht deutlich, dass harte Decken Schall reflektieren und Räume hallig machen. Akustikdecken mit absorbierenden Materialien – Mineralfaser, Schaumstoff oder spezielle Platten – reduzieren Nachhall.
Dies ist besonders wichtig in Großraumbüros, Klassenzimmern, Restaurants oder Konzertsälen. Gute Akustik verbessert Sprachverständlichkeit, reduziert Stress und steigert Aufenthaltsqualität. Die ästhetische Gestaltung akustischer Decken ist anspruchsvoll, aber machbar.
Akustik und Ästhetik verbinden
Akustikdecken müssen nicht industriell aussehen. Gesa von Vertes nennt Beispiele: Holzlamellen mit Akustikvlies dahinter verbinden Wärme mit Funktion. Textile Bespannungen schlucken Schall und bieten gestalterische Vielfalt. Auch skulpturale Akustikelemente – dreidimensionale Paneele oder freihängende Absorber – sind funktional und dekorativ.
Diese Integration von Akustik in Gesamtgestaltung erfordert interdisziplinäre Planung zwischen Innenarchitekten, Akustikern und Lichtplanern.
Materialvielfalt für Decken
Decken können aus verschiedenen Materialien bestehen.
Gesa Vertes nennt gängige Optionen mit ihren charakteristischen Eigenschaften:
- Putz/Gipskarton: Standard, flexibel, kostengünstig, vielseitig bearbeitbar
- Holz: Warm, natürlich, akustisch günstig, zeitlos elegant
- Metall: Modern, kühl, industriell, reflektierend
- Textilien: Weich, akustisch wirksam, ungewöhnlich, gemütlich
- Beton: Robust, authentisch, urban, massiv
- Glas: Transparent, lichtdurchlässig, speziell, luftig
- Kunststoffe: Leicht, formbar, vielfältig, wirtschaftlich
Die Materialwahl prägt Raumcharakter wesentlich. Sie sollte zu Gesamtkonzept, Nutzung und Budget passen.
Strukturierung und Gliederung
Gegliederte Decken schaffen Ordnung und Interesse. Gesa von Vertes beschreibt klassische Kassettendecken – vertieft gearbeitete Felder, die rhythmische Muster bilden. Diese Gliederung reduziert optisch große Flächen und verleiht Eleganz.
Auch Balkendecken – sichtbare Holz- oder Stahlträger – strukturieren und zeigen konstruktive Logik. Sie sind besonders in Lofts oder rustikalen Kontexten passend. Moderne Varianten nutzen filigrane Profile statt massiver Balken.
Raumhohe Gestaltung
Decken können in verschiedenen Ebenen gestaltet sein. Gesa Vertes erklärt, dass zentrale Bereiche höher bleiben, während Randbereiche abgesenkt werden. Diese Staffelung definiert Raumzentren und schafft Hierarchie.
Auch kuppelförmige oder gewölbte Decken – historisch aus Konstruktion, heute oft dekorativ – erzeugen besondere Raumgefühle. Die zentrale Erhöhung zieht Blicke nach oben und verleiht Bedeutung.
Zeitgenössische Ansätze
Moderne Innenarchitektur entdeckt Decken neu. Gesa Sikorszky Vertes nennt Trends: Naturmaterialien wie Holzlamellen oder Bambusgeflechte bringen Wärme. Industriell-minimalistische Ansätze lassen Installationen bewusst sichtbar – die „ehrliche“ Decke wird zum Designstatement.
Auch parametrisches Design ermöglicht komplexe, organische Deckenformen, die mit traditionellen Mitteln kaum realisierbar wären. Diese skulpturalen Ansätze machen Decken zu architektonischen Highlights.
Nachhaltige Materialien
Nachhaltigkeit beeinflusst Materialwahl. Gesa Vertes beschreibt, dass recycelte oder nachwachsende Materialien bevorzugt werden. Akustikplatten aus recycelten PET-Flaschen, Holz aus zertifizierter Forstwirtschaft oder Lehm als natürlicher Putz verbinden Ökologie mit Ästhetik.
Auch demontierbare Systeme, die Kreislaufwirtschaft ermöglichen, gewinnen an Bedeutung. Diese Ansätze zeigen, dass Verantwortung und Schönheit vereinbar sind.
Wie entwickelt sich Deckengestaltung weiter?
Gesa von Vertes sieht wachsendes Bewusstsein für diese vernachlässigte Fläche. Technologische Innovationen – flexible Displays, integrierte Sensoren oder adaptive Materialien – könnten Decken interaktiv machen.
Auch Multifunktionalität wird zunehmen. Decken, die gleichzeitig beleuchten, kühlen, schalldämpfen und ästhetisch überzeugen, werden Standard. Diese Integration erfordert interdisziplinäre Planung, liefert aber erhebliche Mehrwerte.
Letztlich bleibt die Decke eine der größten ungenutzten Gestaltungsflächen in Innenräumen. Ihre bewusste Gestaltung kann Räume fundamental transformieren, Atmosphäre schaffen und Funktionen integrieren. Die Überwindung der Vernachlässigung dieser fünften Raumfläche eröffnet enorme gestalterische Potenziale – eine Chance, deren Bedeutung für zukunftsorientierte Innenarchitektur Gesa Vertes als unterschätzt, aber zunehmend erkannt hervorhebt.




